Probenstart »Tannhäuser«
Debüt |

Richard Wagners Tannhäuser, uraufgeführt 1845, erzählt vom gespaltenen Menschen – und von der Liebe. Nach dieser sucht die Titelfigur: Bei der Liebesgöttin Venus findet er schier endlose Lust, bei der »reinen« Elisabeth hofft er Seligkeit zu finden. Doch das (erlebt) Erotische wird zur Zentrifugalkraft, die ihn an die Ränder der Gesellschaft – und darüber hinaus – treibt. Aber er ist nicht allein: In seinem Schlingern zwischen Lust und Entsagung, zwischen Schuldgefühl und Protest, im Hin- und Hergerissensein zwischen sinnlicher Erfüllung und Erhöhung entspricht er ganz der Grammatik des romantischen Zeitalters, also der Entstehungszeit – und spricht uns auch heute noch direkt an.
Und Tannhäuser kann auch als Künstlerdrama gelesen werden: »Er ist einer, der schaffen möchte. Aber um zu schaffen, muss er erleben. Das reine Können, das hat er längst überwunden, es bringt ihn nicht weiter und langweilt ihn. Deswegen muss er die Grenzen sprengen, um in seiner Kunst weiter zu wachsen«, so Premierendirigent Philippe Jordan.
Nach den Wagner-Neuproduktionen von Parsifal, Tristan und Isolde, Die Meistersinger von Nürnberg und Lohengrin in den letzten vier Spielzeiten steht im Mai Tannhäuser auf dem Premierenplan der Wiener Staatsoper. Inszeniert wird das Werk von der zwischen Paris, Salzburg, Dresden, Berlin und Wien reüssierenden Regisseurin Lydia Steier, deren Debüt im Haus am Ring mit großer Spannung erwartet wird. Dirigent ist Philippe Jordan, es singen unter anderem Hausdebütant Clay Hilley (Tannhäuser), Malin Byström (Elisabeth), Ekaterina Gubanova (Venus), Ludovic Tézier (Wolfram) und Günther Groissböck (Landgraf Hermann).
Die Einführungsmatinee zur Neuproduktion – mit Mitwirkenden der Premiere und moderiert von Staatsoperndirektor Bogdan Roščić – findet am 11. Mai statt.